Ladies, bitte (wieder)einsteigen!

Die Fahrt geht weiter  

Da stehen Sie nun mitten im Leben. Sie haben eine berufliche Auszeit genommen. Sei es Erziehungszeit, Pflege von Angehörigen, überwundene Krankheit, Arbeitslosigkeit, berufliche Neuorientierung oder was Sie sonst noch „pausieren“ lässt. Von Pause oder beschaulicher Ruhephase mit Blick auf idyllische Bergseen ist in der Regel bei dieser Art beruflichen Unterbrechung nicht die Rede.

Jetzt wollen Sie wieder zurück in den Job. Selbst wenn Sie als Berufsrückkehrende an Lebenserfahrung gewonnen haben, verunsichert Sie der Schritt in die Arbeitswelt; Sie sind nicht mehr auf dem neuesten Stand. Beim Thema Bewerbungen wissen Sie nicht genau, worauf es ankommt. Denken Sie an den beruflichen Wiedereinstieg, finden Sie sich an einer Haltestelle wieder, alleine, etwas orientierungslos und im Regen stehend:

Britta Bonten Gastbeitrag zum Thema WIEDEREINSTIEGIn welchen Bus soll ich einsteigen? Aus der Vergangenheit sind mir noch diese eine Linie und ihre Mitfahrenden vertraut – doch hält dieser Bus hier immer noch? Will ich überhaupt in die altbekannte Linie steigen? Oder wage ich lieber etwas Neues und nehme einen anderen Bus? Gibt es freie Sitzplätze oder muss ich auf den nächsten Bus warten? Und: Welche weiteren Busse halten hier? Welche Ziele kann ich mit den Linien erreichen? Sollte ich ein Wunschziel definieren? Oder steige ich wahllos in irgendeinen Bus, um später umzusteigen?

Eines vorweg: Stellen Sie sich diese Fragen frühzeitig! Planen Sie Ihren Wiedereinstieg am besten von Anfang an, sofern Ihre Situation Ihnen den Raum lässt. Wenn Sie sicher sind, nicht zu Ihrem Arbeitgeber zurück zu wollen, dann kommt es auf andere Faktoren an. Welche das sind und was Sie tun können, erfahren Sie im Folgenden.

Zahlen und Fakten

Zahlen aus dem Jahr 2019 zeigen, dass 66,2% der Frauen mit minderjährigen Kindern in Teilzeit arbeiten, gut elfmal mehr als Männer (6,4%), die zu 93,6% in Vollzeit arbeiten – auch mit minderjährigen Kindern, versteht sich! Selbst wenn die Erwerbstätigenquote von Frauen mit Kindern in den letzten Jahren gestiegen ist, scheint nach wie vor die Hauptlast von Care-Arbeit und alles rund um Familie bei Frauen zu liegen.

Die Pandemie hat dieses Missverhältnis weiter verstärkt und gleichzeitig an die Oberfläche befördert. Denn der Handlungsbedarf, Frauen und Mütter zu unterstützen und aus der Überlastung herauszuholen, ist groß wie nie! Daher richtet sich dieser Artikel explizit an Frauen, die „back to work“ wollen, an Wiedereinsteigerinnen!

Der Fehler liegt im System

Seit über zehn Jahren gibt es ein staatliches Wiedereinstiegsprogramm (Perspektive Wiedereinstieg) und zig regionale Förderinitiativen (z. B. in NRW, Rheinland-Pfalz, München) für Berufsrückkehrerinnen. Trotzdem ist es immer noch nicht gelungen, die familiäre Situation mit den beruflichen Vorstellungen von und Anforderungen seitens Arbeitswelt an Frauen zu vereinbaren.

Hinweis: Es gibt darüber hinaus viele Plattformen, die Hilfestellung zu Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Elternsein anbieten (Frauennetz-aktiv, Urbia.de u. v. m.).

Um das zu verändern, müssen auf Unternehmensseite starre Verkrustungen und alteingesessene Haltungen Platz machen für flexible und familienfreundliche Arbeitsumfelder. Betreuungskonzepte müssen dem Kinder- UND Familienwohl dienen.

Unternehmen erkennen oft nicht die Vorteile, die Mütter mitbringen. Als ein „Geschenk“ bezeichnet sie Dr. Michael Trautmann, ehemaliger Audi-Manager und Agenturgründer in einem Podcast. Abgesehen von ihren Fähigkeiten, sich gut fokussieren zu können, flexibel und effizient zu arbeiten, zeigen sie als Role Model, dass wir tradierte Rollenmuster überwinden können und dass Vereinbarung von Beruf und Familie geht!

Außerdem haben Mütter einen weiteren Pluspunkt. In Form von „Spill-Over-Effekten“, die die Psychologin Bettina Wiese für eine Schweizer Studie 2010 erkannt hat. Der Betrieb profitiert von den Kompetenzen, die Mütter mitbringen. Umgekehrt tut eine, sagen wir, beruflich ausgeglichene Mutter dem Familienleben gut, wegen der positiven Grundstimmung. Und ihr Glücksgefühl wirkt sich wiederum positiv auf ihr Fortkommen im Job aus. Eine klassische Win-win-Situation.  

Kehren wir vor unserer eigenen Tür

Es ist richtig, Forderungen an alle beteiligten Akteure zu stellen. Siehe Familienfreundlichkeit auf Unternehmensseite. Wir können jedoch keine Veränderungen an der Situation von Frauen erwarten, wenn wir nicht selber bereit sind, gewisse Veränderungen vorzunehmen, einzufordern und vorzuleben!

Was können wir Frauen also konkret tun?

1. Erkenntnis: Der Partner muss mit ran!

Der Schlüsselfaktor für eine gerechte Aufgabenverteilung ist: Männer müssen im Haushalt gleichberechtigt helfen. Sonst bleibt alles an frau hängen und das Potenzial der Frauen als Arbeitskraft in ihrem Beruf ungenutzt! Das sage nicht ich, sondern die Studie „(Digital) arbeiten 2020: Chancengerecht für alle?“ vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V., bei der über 1000 Frauen und Männer im Juni 2020 befragt wurden.

Sicherlich gab und gibt es Partner, die sich aktiv beteiligen: Kinder wickeln und baden, den Boden wischen, das WC putzen u. v. m.! Doch wahrscheinlich werden nicht alle Väter und Partner vor lauter Begeisterung „Hurra“ schreien, wenn frau ihn bittet, fortan das Bad zu putzen oder einen Teil der Wäsche zu bügeln.

Ein gewisses Konfliktpotenzial könnte in der Luft liegen. Die Konflikte (bewusst) einzugehen und auszuhalten, muss frau jedoch wagen (und sich zutrauen), wenn sie ihr berufliches Engagement intensivieren möchte. Vielleicht hilft diese Erkenntnis: Konflikte auszuhalten und zu lösen, stärkt Sie persönlich für den beruflichen Alltag. Dort herrscht auch nicht durchgängig Friede, Freude, Eierkuchen.

Im Übrigen: Kinder können ebenso – selbstverständlich altersgerecht – eingebunden werden. Einem 14-jährigen Teenager sind durchaus Tätigkeiten zumutbar, wie die Spülmaschine auszuräumen oder Wäsche zu falten etc.!

2. Erkenntnis: Leben wir Gleichberechtigung vor!

Gehen wir mit gutem Beispiel voran: Wenn wir wollen, dass klassische Verhaltensmuster verschwinden, müssen wir bei uns und unseren Kindern anfangen! Binden Sie sie aktiv mit ein – sehen Sie die Empfehlungen unter 1.!

Sie haben es in der Hand: Warum soll der Sohn nicht mit Puppen, die Tochter mit einer Werkbank anstatt einer Spielküche spielen? Warum soll er nicht weinen dürfen und sie nicht auf Bäume kraxeln? Warum ist für sie die Latzhose tabu und für ihn das rosa Hemd zur Jeans undenkbar? Warum soll er nicht bügeln und putzen, sie nicht sägen und bohren lernen?

Schaffen wir Gleichberechtigung auf allen Seiten und werfen die Klischees über Bord! Wenn der nächste Dübel in die Wand muss, ran an die Bohrmaschinen!

3. Erkenntnis: Hübschen Sie sich (fachlich) auf!

Je attraktiver eine Berufsrückkehrerin für ihren Betrieb ist, umso eher gelingt der Wiedereinstieg! Mit attraktiv sind die Fähigkeiten und Kompetenzen gemeint, über die frau verfügt. Zum Glück gibt es derzeit einen Boom an digitalen Formaten, die es vom Sofa oder egal von wo aus ermöglichen, sich erstens up-to-date zu halten und zweitens weiterzubilden. Es gibt eine Fülle kostenloser Formate – lesen Sie viel und halten Sie Augen und Ohren offen. Tauschen Sie sich auch mit Ihren Kolleg:innen regelmäßig aus und lassen sich auf den neuesten Stand der relevanten Themen im Team bringen. Nutzen Sie aktiv Ihr Netzwerk.

Christa Maurer - Die Profilexpertin

Ich bestärke Sie darin, den richtigen Platz im Leben zu erkennen und einzunehmen. Das Potenzial in jedem Menschen ist schon da, die große Frage ist oft: Wie nutzen Sie es? Wo liegt persönlich und beruflich Ihre Entwicklungsrichtung? Was weiß Ihr Gegenüber von Ihren Stärken und Ihrem Angebot?

So werden Sie sichtbar: Finden und benennen Sie Ihre Kompetenzen, durch die Sie sich von anderen Menschen unterscheiden. Bringen Sie Ihre Fähigkeiten auf den Punkt und präsentieren Sie sich auf dem Markt, bei Ihrer Zielgruppe oder an Ihrem Arbeitsplatz mit Ihrem Top-Profil. 

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